{"id":838,"date":"2013-01-05T15:39:33","date_gmt":"2013-01-05T13:39:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.demant.biz\/?p=838"},"modified":"2017-01-11T12:14:01","modified_gmt":"2017-01-11T10:14:01","slug":"hands-up-nachdruck-aus-secret-service-2012-gmeiner-verlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.demant.biz\/?p=838","title":{"rendered":"SecretService2012 (Gmeiner)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><b>Wir Deb\u00fctanten &#8230; <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Von Gisa Kl\u00f6nne, voc, Oliver Buslau (p, viola)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>CRIMINALE 2012, Kulturschmiede Arnsberg im Sauerland, 26. April 2011: Weltpremiere der Krimi-Rockband HANDS UP! &amp; THE SHOOTING STARS! Der Zuschauerraum f\u00fcllt sich, Backstage steigt die Nervosit\u00e4t, vor allem bei den zwei Frischlingen unter den SYNDIKATS-Band-Mitgliedern\u00a0 &#8230;<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i>21:35 Uhr, noch 25 Minuten bis zum Auftritt<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Gisa:<\/b> Wir Krimiautoren sind ja von Natur aus eher still und hocken die meiste Zeit brav allein daheim vor unseren Computern und ersinnen Verbrechen, wenn wir nicht gerade eine Lesung bestreiten oder zur CRIMINALE fahren und die Bar leer trinken, um unsere monatelange Enthaltsamkeit zu kompensieren. Und dann pl\u00f6tzlich Rockmusik &#8211; muss das denn sein? \u2013 Nat\u00fcrlich nicht. Die Sache ist nur, dass ich in den letzten Jahren immer \u00f6fter gesungen habe. Alleine, zu Hause, einfach so, weil es Spa\u00df macht. Ein paar Unterrichtsstunden folgten, vor Jahrzehnten spielte ich ja auch mal Klavier. Und offenbar bin ich mit meinem Faible f\u00fcr Musik in Kollegenkreisen nicht allein. Vielleicht brauchen wir Krimischreiber das ja, etwas f\u00fcrs Gem\u00fct als Ausgleich zu all dem Blut und den ganzen Leichen \u2013 das m\u00fcsste mal jemand analysieren. Jedenfalls kam eines Tages nach einer CRIMINALE diese Rundmail von Arnold, ob wohl jemand Lust h\u00e4tte, in einer SYNDIKATS-Band zu rocken &#8230; Aber ja, aber sicher, habe ich geantwortet. Vielleicht so als Background-S\u00e4nge- rin, denn da gebe es dieses klitzekleine Problem, dass ich im Rockstar-Metier null Erfahrung habe. Macht nichts, hie\u00df es gro\u00dfz\u00fcgig, das wird schon. Und nun ist ein Jahr rum und wir m\u00fcssen gleich auf die B\u00fchne und ein Konzert geben \u2013 \u00f6ffentlich, vor Kollegen!! &#8211; und ich bin die Deb\u00fctantin, aber nicht im Background sondern mit Sandra als Frontfrau, und eben erst habe ich gelernt, dass es bei einem Live-Gig normal ist, wenn man sich selbst und die Bandkollegen nicht mehr h\u00f6ren kann. Hallo?!? Ja, so ist das, wir sind zu neunt, aber allenfalls h\u00f6re ich auf der B\u00fchne vielleicht Volker und Stefan mit \u201af\u2019, also Schlagzeug und Bass, und an letzteren\u00a0 soll ich mich einfach anlehnen, also rein stimmlich, r\u00e4t der Tontech- niker. Er w\u00fcrde mir den Bass deshalb mit einem Monitor verst\u00e4rken, was kein Bildschirm ist, sondern eine Lautsprecher- box zu meinen F\u00fc\u00dfen. Und Sandra h\u00f6re ich nicht?! Hilfe, Leute, wie soll das denn gehen? Wir singen doch zu zweit! &#8211; Die anderen bleiben cool. J\u00f6rg lacht, Stephan mit \u201aph\u2019 zupft entr\u00fcckt stromlose E-Gitarren-Soli. Na gut, Oliver hatte es gerade mit dem Kreislauf. Oliver spielt n\u00e4mlich auch zum ersten Mal in einer Rockband, deshalb halten wir dauernd H\u00e4ndchen. Aber mir kommt er dennoch vor wie ein alter Hase, er improvisiert am Klavier und fiedelt auf seiner Bratsche, dass es eine Wonne ist. Klassik oder Rock, das ist doch fast dasselbe &#8230;<i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>21:42 Uhr, noch 18 Minuten<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Oliver:<\/b> Fast dasselbe? Also ich hab jetzt erst mal meine Bratsche gestimmt. So ist das n\u00e4mlich in der Klassikwelt, in der ich zu Hause bin: Da stimmt man sein Instrument, setzt sich hin, legt die Noten aufs Pult und f\u00e4ngt an. In der Rockwelt wird erst mal jahrelang geschraubt, gesteckt und verkabelt. In der Klassik gibt es, wenn nicht gerade aufgenommen wird, null Kabel, null Mikro, null Elektronik. Wenn der Strom ausfiele, k\u00f6nnte man sogar Mahlers Sinfonie der Tausend (sie hei\u00dft so, weil achthundert Leute mitmachen) zu Ende spielen, wenn dann nicht auch das Licht im Konzertsaal weg w\u00e4re und man nicht mehr in die Noten schauen k\u00f6nnte. Apropos Noten: Wie ist das gleich noch mal mit dem Solo in \u201eEvery Breath You Take\u201c? Kommen da vier Takte Es-Dur- und F-Dur-Wechsel, bevor ich anfange, acht, oder sechzehn? Leider steht das nirgends. Das Problem ist n\u00e4mlich, dass es in der Krimiband keine Noten gibt. Nur Texte mit irgendwelchen Symbolen. Alles aus dem Bauch raus, hei\u00dft es immer. Mein Bauch will aber auch wissen, ob ich jetzt gleich in Arnolds Bluesharp-Solo reinpfusche, weil ich mit meinem zu fr\u00fch oder zu sp\u00e4t anfange, oder in welcher Tonart das St\u00fcck steht! Ich muss zugeben, mir hat das als Klassiker, der immer ganz, ganz, ganz genau nach Noten spielt, erst mal Angst ge- macht. Wo bin ich? Was tue ich? Aber dann hat es pl\u00f6tzlich geklappt. Es war eine Mischung aus Ritt \u00fcber den Bodensee und Raketenstart. Es gelingt vor allem deswegen, weil wir so erfahrene Kollegen haben, die einen da durchziehen. Da f\u00e4llt mir ein: Sag mal, Gisa, ich habe geh\u00f6rt, du hast dich abseits unserer Bandproben mit Sandra alleine getroffen und extra die Gesangsparts ge\u00fcbt. Wie habt ihr das denn gemacht, wo doch gar keine Band dabei war? Vielleicht genauso wie ich? Ich habe wochenlang \u201eHouse of the Rising Sun\u201c in Endlosschleife und h\u00f6chster Lautst\u00e4rke laufen lassen und dazu auf der Bratsche improvisiert, bis ich kurz vor der Scheidung stand. Aber das war mir der Auftritt nat\u00fcrlich wert \u2026<i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>21: 51 Uhr, noch 9 Minuten<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Gisa:<\/b> Tja, die Partner daheim, die wurden schon strapaziert. Als wir in Sandras Wohnzimmer unsere Duette geprobt haben, war das f\u00fcr ihren J\u00fcrgen und ihre Tochter schon, wie sagt man das freundlich, eine Herausforderung? J\u00fcrgen hat uns aber trotzdem Paella gekocht. Dabei hatten Sandra und ich damals ja noch nicht einmal eine brauchbare Aufnahme von unserer Band als Begleitsound. Doch ich hatte bei iTunes diese Karaoke-Tracks runter geladen. Die klingen jetzt nicht direkt sch\u00f6n, aber so zum Proben daheim &#8230; \u00dcbrigens, Oli, verraten diese Karaoke-Tracks niemals, in welcher Tonart sie daher kommen. Ich entschied beim Downloaden also rein nach Geh\u00f6r, welche Version dem Original und meiner Stimm- lage nahe kam, und unser Profi Sandra verifizierte das an ihrem E-Piano. Sie kann ja sowieso alle Instrumente der Welt spielen, so kommt es mir vor. Sie hatte auch Lautsprecher und Mikro und so merkte ich: Mit Mikro singen geht nochmal anders als ohne. Wieder in K\u00f6ln habe ich mir dann selbst ein Mikro organisiert und seitdem kam mein Gesang meinem Mann irgendwie kriminell vor. Zum Gl\u00fcck ist er ja nicht immer zuhause&#8230; Das Krimischreiben macht doch deutlich weniger Krach. Aber l\u00e4ngst nicht soviel Spa\u00df. Denn was man allein f\u00fcr sich niemals hinbekommt, ist diese gruppendy- namische Energie, wenn man als Band gemeinsam an einem St\u00fcck arbeitet und sich eingroovt. Wobei \u2013 ohne Olivers ph\u00e4nomenale Ablaufpl\u00e4ne auf den Flipcharts w\u00e4ren wir, glaube ich, gescheitert. Und ohne Peters Excel-Tabellen. Was sagt eigentlich deine uralte Bratsche zu ihrer neuen Karriere, Oli? Und dann w\u00fcsste ich auch gern von Dir, ob es dieses Good-Vibrations-Gemeinsam-Live-Gef\u00fchl einer Rockband auch bei klassischen Konzerten gibt?<i><br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i>21: 56 Uhr, noch 4 Minuten<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Oliver:<\/b> Um gleich mal die letzte Frage zu beantworten: Ja, aber ganz anders. Die St\u00fccke sind ja meist l\u00e4nger und formal komplexer, und wenn man dann in so einer gut halbst\u00fcndigen Sinfonie sitzt, ist es eben nicht das Solo, das einen vom Hocker rei\u00dft, sondern die Stelle, wo die Holzbl\u00e4ser das Thema haben, dann die hohen Streicher dazukommen und, dann, dann -. jaaaaaa, die Bratschen plus Celli es \u00fcbernehmen, man sich freut, dass man die sauschwere, lange ge\u00fcbte Stelle hinkriegt, und wenn das kr\u00f6nende Blech einsetzt \u2026 Und wie gesagt: immer brav nach Noten, so dass man \u2013 so lange alles klappt &#8211; wei\u00df, wo man ist. Das hat mich auch darauf gebracht, in der Band die Sache mit den Ablaufpl\u00e4nen einzuf\u00fchren. Die Idee war ja entgegen der Legende gar nicht von mir, sondern entweder von Stefan oder Arnold, glaube ich, aber sie kam meiner Liebe f\u00fcr Partituren und \u00fcbersichtliches Planen sehr entgegen. Beim Krimischreiben bin ich ja auch ein Planer \u2026 Statt auf einen Dirigenten oder Noten guckte die Band beim Proben auf ein Flipchart, wo Strophen, Refrains, Vor- und Zwischenspiele mit besonderen Angaben festgehalten waren. Da steht zum Beispiel bei \u201eKnocking on Heavens Door\u201c: Erste Zeile \u2013 sprich Akkordschleife \u2013\u00a0 \u201enur Git\u201c, zweite Runde \u201eplus Keyboard\u201c, dritte mit \u201eGesang Huuh Huuh Huuh\u201c, vierte mit \u201eDrums+Bass\u201c, und dann (endlich) mit Liedtext (nat\u00fcrlich inklusive aller). Bei diesem Lied \u2013 wie bei den meisten \u2013 habe ich Keyboard gespielt, aber mir ist klar, dass die beiden Bratschennummern im Programm eher auffallen. Ich freue mich, dass ich derjenige sein darf, der meine treue Viola in ihrer wahrscheinlich mehr als 100- j\u00e4hrigen Geschichte als erster an die Rockmusik heranf\u00fchrt. Das Instrument ist sicher bis zu unserem Auftritt noch nie mit Verst\u00e4rker auf einer B\u00fchne gewesen und hat auch noch nie \u201egerockt\u201c. So esoterisch das jetzt klingt: So ein Instru- ment hat ein Eigenleben, kann bockig oder willig sein und hat eine eigene Art mit dem, der es spielt, zu kommunizieren. Bockig ist die Bratsche nicht. Es gef\u00e4llt ihr, diese f\u00fcr sie neue Richtung einzuschlagen. Wie mir selbst ja auch. Und in einem hast du absolut recht, Gisa: Wenn doch das Krimischreiben auch so direkt von Spa\u00df und Erfolg gekr\u00f6nt w\u00e4re \u2026 Na ja, Erfolg \u2026 Mal sehen, was das Publikum sagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00a0Arnsberg, 26. April 2012. Klatschen, Johlen aus dem Zuschauerraum. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>21:59 Uhr, noch 1 Minute.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Oliver:<\/b> Ich glaub, ich stimme noch mal durch &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Gisa: <\/b>Und ich muss noch mal aufs Klo! Aber wieso kommt denn der J\u00f6rg jetzt mit Handschellen und zerrt uns auf die B\u00fchne und das Licht geht an und &#8211; Hilfe, wir sind dran, wir sind live, wir sind HANDS UP!, Baby, Hands Up! &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #993300;\"><strong><i>The Academy of Bad Fredeburg in the Fields<\/i> proudly presents:<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>The Making of Hands Up! <\/b><b>&amp; The Shooting Stars<\/b><\/p>\n<p>Wie lauten die letzten Worte des Schlagzeugers, bevor er die Band verlassen muss?<\/p>\n<p>\u201eLasst uns doch mal einen von meinen Songs spielen!\u201c<\/p>\n<p><i>Volker Bleeck (Schlagzeuger)<\/i><\/p>\n<p>Fast genauso war\u2019s \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der ersten Krimiautorenband des Syndikats ist eine Geschichte voller Missverst\u00e4ndnisse: Zun\u00e4chst war der Zusammenschluss musikaffiner Krimiautoren n\u00e4mlich als reine Ma\u00dfnahme gegen Vereinsamung gedacht. Krimi- autoren, deren soziale Kontakte bislang einzig aus dem SYNDIKAT-Newsletter, amazon-Werbemails und elektronischen Aufforderungen zur kurzfristigen \u00dcberweisung namhafter Geldbetr\u00e4ge an afrikanische Prinzregenten im Exil, iranische Diplomaten auf der Flucht oder Allah h\u00f6chstselbst bestanden, konnten nun frohgemut jeden Tag ihr Postfach mit dem beruhigenden Wissen \u00f6ffnen, mindestens 27 (in Worten: siebenundzwanzig) neue Emails vorzufinden. So erforderte allein die auf diesem Wege durchgef\u00fchrte Abstimmung \u00fcber Termine, Songs, Bandnamen, B\u00fchnenoutfit und -strategie (Kardinalfrage: \u201eWie gehen wir auf die B\u00fchne?\u201c) etliches an Elektropost, was auch daran gelegen haben mag, dass manche \/ r das Prinzip des \u201eAllen antworten\u201c-Buttons eher suboptimal durchdrungen hatte.<\/p>\n<p>Die Protagonisten, wo sie herkommen, was sie ausmacht:<\/p>\n<p><b>Sandra L\u00fcpkes<\/b>, M\u00fcnster \u2013 Gesang, Trompete, Moderation, allgemeine Ansagen<\/p>\n<p><b>Gisa Kl\u00f6nne<\/b>, K\u00f6ln \u2013 Gesang, Orientierung, Moderation, Gruppenmoral<\/p>\n<p><b>J\u00f6rg Schmitt-Kilian<\/b>, Koblenz \u2013 Gitarre, Gesang, B\u00fchnendeko<\/p>\n<p><b>Oliver Buslau<\/b>, Bergisch-Gladbach \u2013 Bratsche, Klavier, leichte Panik<\/p>\n<p><b>,Peter\u2019 Demant<\/b>, R\u00f6srath \u2013 Orgel, Baseballkappe, allgemeines Verharren<\/p>\n<p><b>Arnold K\u00fcsters<\/b>, M\u00f6nchengladbach \u2013 Blues-Harp, Percussion, musikalische Auswege<\/p>\n<p><b>Heinrich-Stefan Noelke<\/b>, Versmold \u2013 Bass, Organisation, technical advisor<\/p>\n<p><b>Stephan Everling<\/b>, Eifel \u2013 Stromgitarre, leichte Verwirrung, spontanes Einsteigen<\/p>\n<p><b>Volker Bleeck<\/b>, Hamburg \u2013 Schlagzeug, allgemeine Sortierung<\/p>\n<p><b>Kirsten P\u00fctter<\/b>, Hamburg \u2013 Fotos, Flyer, Farbabstimmung (Banner)<\/p>\n<p>Am Anfang war \u2026 der Aufruf im Newsletter des SYNDIKATs: \u201eLebendige Rockmusiker gesucht\u201c.<b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>Sommer 2011: Im Vorfeld der ersten Probe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Per Mail eingereichte Songvorschl\u00e4ge trudeln ein, erster Zwischenstand: rund 60 Titel, nur wenige davon aus der Zeit nach dem Mauerfall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die urspr\u00fcngliche Idee, nur Titel mit Krimibezug auszuw\u00e4hlen, f\u00fchrt zu h\u00f6chst kreativem Auslegen der Inhalte. Ist nicht eigentlich jeder Song eine Sache auf Leben und Tod? Nach diesen Definitionen h\u00e4tten wohl auch Lieder wie \u201eHerzilein\u201c (die Textzeile \u201eDu musst nicht traurig sein \u2026\u201c deutet auf Kapitalverbrechen) oder \u201eVerdammt, ich lieb Dich\u201c (Trennung + h\u00e4usliche Gewalt) eine Chance, werden aber zum Gl\u00fcck nicht mal in Erw\u00e4gung gezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den Bandnamen orientieren sich am Krimisujet, von \u201eSyndikater\u201c (analog zu \u201eSyndicats\u201c) bis M.S.I. (f\u00fcr \u201eMusic Scene Investigation\u201c). Es gibt erstaunlich viele verkappte Lateiner (\u201eIn Dubio Pro Reo\u201c, \u201eCorpus Delicti\u201c, \u201eModus Operandi\u201c), bei manchem Beitrag fehlt der Bezug (\u201ePeter und die Zw\u00f6lf\u201c), bei anderen ist er \u00fcberdeutlich (\u201eSchwere Kindheit\u201c, \u201eFreunde der italienischen Oper\u201c). Ein Schreibfehler macht aus \u201eBegnadigte K\u00f6rper\u201c das vielleicht sogar passendere \u201eBegradigte K\u00f6rper\u201c.<\/p>\n<p>2.\/3.\/4. Dezember 2011: <strong>Exile on Johannes-Hummel-Weg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Probenwochenende in Bad Fredeburg. Schlechter Start: Einige Bandmitglieder werden von ihren Navis in die falsche Richtung gef\u00fchrt. Kurz vor der Akademie behaupten die Ger\u00e4te einstimmig, man befinde sich in einer Sackgasse. Ob sich das nur auf die aktuelle Position, das Bandunternehmen an sich oder die Existenz als Krimiautor generell bezieht, bleibt offen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Empfang ein Plakat zur Begr\u00fc\u00dfung: \u201eKriminalorchester Demant\u201c. Auch nicht schlecht, aber bereits am ersten Tag wird in einer Mischung aus Schnickschnackschnuck und Armdr\u00fccken \u00fcber den Bandnamen entschieden und er lautet: \u201eHands Up! And The Shooting Stars\u201c, kurz: HUATSS. (Gesundheit)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eProberaum\u201c hat nicht nur die Gr\u00f6\u00dfe einer Aula, es ist eine Aula. Die Instrumente sind in eine Ecke gepfercht, trotzdem ist das Schlagzeug weit genug vom Fl\u00fcgel entfernt, um einen berittenen Depeschendienst f\u00fcr die \u00dcberbringung von Song\u00e4nderungen einzurichten. Arnold schl\u00e4gt Rauchzeichen oder Signalflaggen \u00a0vor.<br \/>\nDer erste Song. Die gute Nachricht: Alle Musiker beherrschen ihr Instrument. Die schlechte: Alle Musiker spielen auch st\u00e4ndig ihr Instrument. Immer. Alle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das n\u00e4chste Problem: Oliver, Bratschist, klassischer Pianist und Musikwissenschaftler, meint, er k\u00f6nne ohne Noten nicht spielen. Die restlichen Musiker haben zwar von Noten ger\u00fcchteweise schon geh\u00f6rt, wollen sich aber nach all den Jahren nicht mehr verunsichern lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter fragt: \u201eWie gehen wir eigentlich auf die B\u00fchne?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEvery Breath \u2026\u201c erweist sich als Knackpunkt. Irgendwie will\u2019s nicht laufen. Arnold schl\u00e4gt schlie\u00dflich vor, das St\u00fcck ganz reduziert nur mit Bratsche, Bass, Schlagzeug und Gesang zu versuchen. Das Ergebnis ist atemberaubend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">God Gave Rock \u2019n\u2019 Vollpension to Ya<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gong zum Abendessen ert\u00f6nt. Die Musiker begeben sich in geordneter Reihe in den Speisesaal, nat\u00fcrlich ist ein Tisch reserviert, f\u00fcr das \u201eKriminalorchester Demant\u201c. Es gibt Toast Hawaii, f\u00fcr viele zum ersten Mal seit der W\u00e4hrungsreform. Die n\u00e4chsten Probentage sind demnach vor allem von der peniblen Einhaltung der Essenszeiten bestimmt. So wird zwischen Mittag- und Abendessen nachmittags noch Kaffee &amp; Kuchen gereicht, alles zu bequemen Altersheimzeiten. Man beginnt an der Legende eines feuchten Bunkerproberaums mit Ratten, Fl\u00f6hen und serbischem Feuertopf auf windschiefem Gaskocher zu stricken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Probenaktivit\u00e4t: Die Abfolge der St\u00fccke muss koordiniert werden. Ein Flipchart wird installiert, auf dem jeder Songablauf schriftlich festgehalten werden kann. Aus Angst vor der erneut stark gef\u00e4hrdeten <i>street credibility<\/i> soll Oliver eine musikhistorische Recherche starten, die schl\u00fcssig nachweist, dass auch die Rolling Stones und\/oder Sex Pistols einst mit Flipcharts und festen Essenszeiten gearbeitet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter fragt: \u201eWie gehen wir auf die B\u00fchne?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Betreuer des angrenzend \u00fcbenden Konzertgitarrenorchesters (weiblich, Durchschnittsalter: 13 bis 13\u00bd) bringt regelm\u00e4\u00dfig Teller mit Adventsgeb\u00e4ck vorbei, die gern angenommen werden. Auch das ist Rock\u2019n\u2019Roll, hei\u00dft es.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30.\/31. M\u00e4rz\/1. April 2012: <strong>Keep on Rockin\u2019 in Bad Fredeburg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Song-Liste steht. Anfangen will man (\u201eals Schockeinlage\u201c) mit dem beinahe unertr\u00e4glichen Eighties-Schunkler \u201eHands Up\u201c. Vor dem (hoffentlich) furiosen Abschluss mit \u201eKnocking on Heaven\u2019s Door\u201c soll au\u00dferdem der von vielen im Vorfeld favorisierte BAP-Klassiker \u201eVerdamp lang her\u201c gespielt werden. J\u00f6rg hat einen neuen Text geschrieben, umgedichtet auf Criminale und Krimiautoren-Belange. Nach einigen Versuchen und anschlie\u00dfender Diskussion schlagen J\u00f6rg und Gisa vor, den Text ins Hochdeutsche zu \u00fcbertragen, der besseren Verst\u00e4ndlichkeit wegen. Ein Teil der Band unterst\u00fctzt den Vorschlag, ein paar sind unentschlossen, andere schlicht \u00fcberrascht, dass es sich dabei \u00fcberhaupt um Deutsch gehandelt haben soll. Man hatte vermutet, J\u00f6rg habe in einer aus seiner Zeit als Drogenfahnder \u00fcbernommenen Geheimsprache (aus dem Rotwelsch?) gesungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter fragt: \u201eWie gehen wir auf die B\u00fchne?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werbema\u00dfnahmen: F\u00fcr den von Kirsten gestalteten Flyer soll jede Autorin und jeder Autor eine m\u00f6glichst schr\u00e4ge Biografie schreiben, die sp\u00e4ter auch auf der Website stehen wird. Die Ank\u00fcndigung einer korrigierenden Schlussre- daktion f\u00fchrt zum Shitstorm unter den im Kampf mit Verlag und Lektorat gest\u00e4hlten Autorenseelen. Die Diskussion \u00fcber ein falsch gesetztes Komma zieht sich \u00fcber Wochen, da es vom betroffenen Autor als \u201ek\u00fcnstlerisch notwendig\u201c und \u201ewerkimmanent\u201c erachtet wird. Die Streitfrage kann erst durch einen Anruf bei Bastian Sick beantwortet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">26. April 2012, <strong>Kulturschmiede Arnsberg, 22 Uhr: For Those About to Rock \u2019n\u2019 Read!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Integriert in den Songablauf liest Oliver seine Kurzgeschichte. Im Vorfeld war die Frage aufgetaucht, ob die restlichen Musiker nicht bei ihren Instrumenten bleiben sollten, auch zur moralischen Unterst\u00fctzung, was allgemein begr\u00fc\u00dft wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter fragt: \u201eWie gehen wir von der B\u00fchne?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Lesung verlassen dann konsequent alle die B\u00fchne \u2013 bis auf Peter, der wie immer keine Antwort bekam, und Volker, dem keiner der Musiker Bescheid gesagt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Gig ist vor der Probe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Auftritt ist ein Hit! Noch w\u00e4hrend der Criminale 2012 k\u00fcndigen sich Anschlussgigs an: Im September \u201eCrime Cologne\u201c im Rheinauhafen, K\u00f6ln, an Halloween \u201eMord am Hellweg\u201c in der Rohrmeisterei, Schwerte, und im April 2013 bei der n\u00e4chsten Criminale in Bern. Die ersten Abstimmungen \u00fcber Programm, Probenwochenenden und allgemeine Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen laufen an. In nicht mal dreistelligen Mailwechseln wird ein Probenwochenende Mitte November in Bad Fredeburg anberaumt (kulinarisch hofft man auf Strammen Max). Die Idee, jeder solle ein St\u00fcck vorschlagen, egal welches, wird begeistert aufgenommen \u2013 und geht voll in die Hose. Eine erste Liste wird komplett ignoriert, neue Song- vorschl\u00e4ge laufen im Stundentakt ein. So findet man wieder t\u00e4glich gef\u00fchlt siebenundzwanzig neue Mails in seinem Post- fach und f\u00fchlt sich irgendwie geborgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"OKAYFREEDOM_INJECTED\" style=\"display: none;\"><\/div>\n<p><script src=\"moz-extension:\/\/37bb1102-a59d-432f-bb9c-ec200b03b730\/web\/libs\/ciuvo-addon-sdk.min.js\" async=\"\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Deb\u00fctanten &#8230; Von Gisa Kl\u00f6nne, voc, Oliver Buslau (p, viola) CRIMINALE 2012, Kulturschmiede Arnsberg im Sauerland, 26. April 2011: Weltpremiere der Krimi-Rockband HANDS UP! &amp; THE SHOOTING STARS! Der Zuschauerraum f\u00fcllt sich, Backstage steigt die Nervosit\u00e4t, vor allem bei den zwei Frischlingen unter den SYNDIKATS-Band-Mitgliedern\u00a0 &#8230; 21:35 Uhr, noch 25 Minuten bis zum Auftritt<br \/><span class=\"excerpt_more\"><a href=\"https:\/\/www.demant.biz\/?p=838\">[weiterlesen &#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[15],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/838"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=838"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1238,"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/838\/revisions\/1238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.demant.biz\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}